Warum ich meinen Handfilter liebe

Handfilter von Melitta

Es ist Zeit für eine Beichte. Ich besitze keine Kaffeemaschine. „Was? Wie kann diese Frau einen Blog zum Thema Kaffee betreiben ohne eine Maschine zu haben. Geht doch gar nicht.“ denkt ihr euch jetzt so oder ähnlich sicherlich. Doch es geht, denn ich habe einen Handfilter aus Porzellan.

Meine Oma hat mir den Porzellanfilter geschenkt als ich zum Studium nach Berlin gezogen bin. Er begleitet mich nun schon seit fast dreizehn Jahren und schenkt mir täglich wunderbare Kaffeegenussmomente. Aus reinem Platzmangel habe ich mir während der Studienzeit keine „normale“ Kaffeemaschine zugelegt. Jetzt habe ich zwar mehr Platz in der Küche, aber bleibe meinem Handfilter treu. Warum? Es schmeckt einfach besser, da weniger Bitterstoffe gelöst werden, als beim Aufbrühen mit einer Filterkaffeemaschine. Und das wiederum macht den Kaffee bekömmlicher. Und noch einen weiteren Vorteil hat die Zubereitung mit dem Handfilter: man kann Wassertemperatur und Kontaktzeit von Wasser und Kaffeemehl kontrollieren und so das Beste aus dem Kaffee herausholen.

Mittlerweile hat auch die Gastronomie den handgefilterten Kaffee wiederentdeckt. In vielen deutschen Städten bieten kleine Cafés, die sich dem Spezialitätenkaffee verschrieben haben, auch handgefilterten Kaffee auf ihrer Karte an, der meist ohne Milch und Zucker serviert wird.

Aber wer hat eigentlich den Handfilter erfunden?

Der Handfilter: eine über hundertjährige Erfolgsgeschichte

Bereits im 19. Jahrhundert kam der erste Vorläufer des Handfilters auf den Markt. Entwickelt hat ihn die Firma Arndt aus Quedlinburg. Dieser Filter wurde unter dem Namen „Arndtsche Kaffeeaufgussmaschine“ vermarktet. Es handelte sich dabei um einen Aufsatztopf mit herausnehmbaren Metallsieb, der meist aus Blech, Aluminium oder Emaille bestand.

Mellita Porzellanfilter
Porzellanschnellfilter von Melitta mit drei Ausgusslöchern

Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte Melitta Bentz den ersten seriell gefertigten Kaffeefilter mit Filtrierpapier und ließ ihn im Jahre 1908 patentieren. Auch dieser Filter war ein Rundfilter und wurde aus verschiedenen Materialien, z.B. Aluminium, Steingut oder Porzellan, bis in die 1970er Jahre produziert.
1936 entwickelte die Firma Melitta den sogenannten „Schnellfilter“, in der konisch zulaufenden Form mit einem Schlitz am unteren Ende und einem bis drei Löchern, wie wir ihn auch heute noch kennen. Dazu passend kam auch das Filterpapier auf den Mark. Den Begriff „Filtertüte“ und „Filtertüte 102“ hat sich das Unternehmen als Wortmarke eintragen lassen. Im heutigen Sprachgebrauch hat sich der Ausdruck für jede Art von Kaffeepapierfilter etabliert, ganz gleich von welcher Marke.

Mittlerweile gibt es verschiedene Hersteller von Handfiltern, die ihre Filter in den verschiedensten Materialien, z.B. Porzellan, Edelstahl, Glas oder Kupfer, produzieren. In diesem Fall ist es allein ästhetische Geschmackssache für welchen Ausführung man sich entscheidet. Selbstverständlich gibt es Handfilter auch aus Plastik und zum Zusammenfalten.
Zudem gibt es auch noch die sogenannten Dauerfilter, die kein Filterpapier benötigen. Sie bestehen aus Kunststoff mit einem feinporigen Metalleinsatz, durch den der Kaffee durchläuft. Durch den Verzicht auf Filterpapier wird die Umwelt geschont, doch die Reinigung ist dafür zeitaufwändiger.

Und wie brühe ich jetzt Kaffee mit dem Handfilter auf?

Der kleine Brew-Guide: #1 Handfilter

Kaffee mit der Hand aufzubrühen ist gar nicht schwer und mit kleinen Hilfsmitteln aus der Küchenschublade ganz einfach machbar.
Falls ihr noch keinen Handfilter besitzt und es trotzdem ausprobieren möchtet, dann hängt einfach den Filter aus eurer Maschine aus und setzt ihn auf einen Becher. Das funktioniert auch wunderbar.

Ihr braucht:

  • einen Handfilter (oder den Filtereinsatz eurer Kaffeemaschine)
  • euren Lieblingsbecher
  • eine Küchenwaage
  • einen Wasserkessel mit langer Tülle oder einen Messbecher
  • ein Küchenthermometer
  • einen Timer bzw. eine Stopuhr (das Handy eignet sich super dafür)
  • und natürlich euren Kaffee (als Bohne oder gemahlen)
  1. Stellt ca. 600ml gefiltertes Wasser zum Kochen im Wasserkocher auf.
  2. Danach wiegt ihr den Kaffee ab. Als Faustregel nimmt man 6g Kaffee auf 100 ml Wasser. Für einen durchschnittlichen Becher von 300 ml also 18g Kaffee. Wiegt die Bohnen ab und mahlt sie während das Wasser kocht. Oder bei gemahlenem Kaffee, wiegt ihr das Kaffeemehl einfach in einer kleinen Schale ab.
  3. Ist das Wasser gekocht, dann füllt ihr es in euren Kessel oder den Messbecher und lasst es auf 94° – 92° C abkühlen. Das könnt ihr mit eurem Küchenthermometer kontrollieren. Habt ihr kein Thermometer, dann wartet einfach ungefähr eine Minute.
  4. Stellt euren Filter auf den Becher, setzt das Filterpapier ein und spült den Filter mit einem Teil des heißen Wassers durch. Dadurch werden Geschmacksreste entfernt und der Filter gleichzeitig erwärmt. Nicht vergessen das Wasser hinterher aus dem Becher zu kippen.
  5. Gebt das Kaffeemehl in den Filter und gießt kreisförmig nur so viel Wasser ein, dass der Kaffee leicht bedeckt ist. Wartet 30 – 45 Sekunden, bevor ihr Wasser nachgießt. Diese Wartezeit wird auch „Blooming“ genannt. Es tritt Kohlendioxid aus dem Kaffee aus und die Oberfläche beginnt dadurch zu Schäumen. Je frischer der Kaffee ist, desto mehr schäumt es. Die Blooming-Phase ermöglicht die optimale Lösung der Aromen bei der anschließenden Extraktion.
  6. Gießt nun langsam und gleichmäßig das restliche Wasser kreisförmig von innen nach außen auf. Die optimale Durchlaufzeit beträgt 2,5 Minuten.
  7. Einfach nur genießen. Ganz wie ihr ihn am liebsten mögt.

Handfilter bekommt ihr zum Beispiel bei Coffee Circle oder Amazon schon ab 30 Euro. Soviel wollt ihr nicht ausgeben? Dann fragt doch einfach mal bei Bekannten oder Verwandten, ob sie vielleicht im Keller noch einen alten Porzellanfilter haben. Alternativ könnt ihr auch bei eurem nächsten Flohmarktbesuch schauen, ob ihr einen Handfilter ergattern könnt. eBay ist selbstverständlich auch eine gute Wahl, um günstig einen Filter zu erwerben.

Ich hoffe, ich habe euch Lust gemacht diese Art der Kaffeezubereitung einmal auszuprobieren. Für mich ist es bereits ein morgendliches Ritual geworden meinen Kaffee erst zu mahlen und dann langsam aufzugießen, daher werde ich auch weiterhin dabei bleiben.

Ich wünsche euch viel Vergnügen beim Experimentieren mit dem Handfilter.

Eure Meike

3 thoughts on “Warum ich meinen Handfilter liebe

  1. Schöne Übersicht! Ich habe leider (noch) keinen Handfilter, benutze aber regelmäßig meine Chemex, was ja durchaus ähnlich ist.

    Eine „richtige“ Kaffeemaschine habe ich auch nicht…

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